Ob -ingen im Südwesten, -itz im Osten oder -büttel im Norden: Die Endung eines Ortsnamens verrät oft seinen Ursprung und seine Herkunftsregion. Diese Übersicht wertet 6.055 deutsche Gemeindenamen nach ihrem Grundwort aus. Jede Endung führt zu einer Detailseite mit Verbreitungskarte, Verteilung nach Bundesland und den bekanntesten Beispielen.
Datenstand: 2026-07-10
Zu Dorf. Die niederdeutsche Variante lautet -torf/-storf. Einer der häufigsten Siedlungsnamen.
Althochdeutsch heim „Wohnstätte“. Frühe fränkische Siedlungen der Merowinger- und Karolingerzeit.
Patronymisch: „bei den Leuten des …“. Germanisches Suffix, Schwerpunkt im alemannischen Südwesten.
Zu Haus/Häuser: Siedlung bei den Häusern einer Person. Dicht in Mittel- und Westdeutschland.
Ebenfalls patronymisch, die kürzere Form von -ingen. Häufig in Altbayern und im Norden.
Aus lateinisch villare „Gehöft, Weiler“. Zeugnis der römisch-fränkischen Besiedlung im Südwesten.
Niederdeutsch zu Stätte „Stelle, Platz“. Schwerpunkt in Norddeutschland und im mitteldeutschen Raum.
Zu Stadt/Stätte, oft „Stelle, Siedlung“ (Neustadt) und nicht zwingend eine Stadtgründung.
Zu Hof/Höfe: Siedlung bei einem Gehöft. Vor allem im süddeutschen Raum.
Zu Erbe/Hinterlassenschaft (althochdeutsch leiba). Dicht in Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Niederdeutsch büttel „Wohnstätte, Siedlung“. Fast ausschließlich im nördlichen Deutschland.
Zu Bach: Lage an einem Fließgewässer. Niederdeutsch -beck. Sehr häufig in Mittelgebirgslagen.
Zu Berg: Lage an oder auf einer Anhöhe.
Zu Aue „wasserreiches Wiesenland“ (althochdeutsch ouwa). Lage an Fluss- oder Feuchtwiesen.
Zu Burg „befestigter Ort“. Oft mit einer mittelalterlichen Burganlage verbunden.
Zu Feld „offenes, gerodetes Land“.
Zu Tal: Lage in einem Talzug. Ältere Schreibung -thal.
Zu Stein/Fels: oft mit einer Burg oder einer Felslage verbunden.
Zu Born bzw. Brunnen „Quelle“. Siedlung an einer Quelle.
Zu See: Lage an einem Gewässer.
Zu Scheid „Wasserscheide, Grenze“. Schwerpunkt im rheinisch-westfälischen Bergland.
Zu Wald: Siedlung an oder in einem Waldgebiet.
Zu Horst „Gehölz auf höherem Grund“. Vor allem in Norddeutschland.
Zu Hain „kleiner Wald, Gehölz“. Verbreitet vom Rheinland bis nach Sachsen.
Zu Furt „seichte Flussdurchquerung“. Benennt einen alten Flussübergang (Frankfurt, Erfurt).
Zu Kirche: Ort mit einer (früh gegründeten) Kirche.
Zu lateinisch cella „Klosterzelle“. Zeugnis einer klösterlichen Gründung.
Slawischer Ursprung (-ov). Verbreitet in Mecklenburg, Brandenburg und Vorpommern.
Slawischer Ursprung (Suffix -ic-/-ica). Zeugnis der westslawischen Besiedlung östlich von Elbe und Saale.
Die Endung ist meist das Grundwort des Namens und verrät seinen Ursprung: -ingen und -ing sind patronymisch („bei den Leuten des …“), -heim, -hausen und -dorf bezeichnen Siedlungen, -bach, -berg oder -au die Lage in der Landschaft, und -itz, -witz oder -ow sind slawischer Herkunft.
Zu den häufigsten zählen -dorf, -bach, -heim, -berg und -ingen. Jede kommt bei mehreren Hundert Gemeinden vor. Die genaue Zahl steht auf der jeweiligen Detailseite.
Diese Endungen sind slawischen Ursprungs und gehen auf die westslawische Besiedlung östlich von Elbe und Saale zurück. Sie häufen sich daher in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Jede Endung wird über die Namen aller 10.751 Gemeinden aus unserem Datenbestand ausgezählt. Jede Gemeinde wird der am besten passenden Endung zugeordnet; die Bedeutungen folgen der etablierten Ortsnamenkunde.
Gezählt wird die Endung des reinen Ortsnamens, ohne Zusätze wie „Bad“, „Stadt“ oder Lage-Angaben („am Main“). Jede Gemeinde wird genau einer Endung zugeordnet, und zwar der am weitesten passenden (das längste zutreffende Grundwort). Rund 6.055 der 10.751 Gemeinden tragen eine der hier erfassten Endungen; die übrigen haben seltenere oder uneindeutige Namensbestandteile. Grundlage sind die Datenquellen des Projekts. Verwandt: die Rekorde und Superlative der Gemeinden und die deutschen Inseln.